Das Gastra-Kollektiv ist gegen eine Wiedereröffnung der Gastronomie am 11. Mai

Keine Öffnung der Gastronomie am 11. Mai

Wir sind gegen die überstürzte Wiedereröffnung der Gastronomie am 11. Mai 2020. Sie wurde von Wirtschafts- und Gastrolobbyisten vorangetrieben und steht im Widerspruch zum geplanten stufenweise Hochfahren der Wirtschaft und im Widerspruch zum Schutz der Gesundheit.

Gerade in der Gastronomie ist die Ansteckungsgefahr besonders gross und die Einhaltung der Schutzmassnahmen kaum möglich. Besonders in kleineren Betrieben kann das von Gastrosuisse veröffentlichte Schutzkonzept nicht oder nur unzureichend umgesetzt werden. Der Schutz von uns Arbeitenden und den Gästen kann somit nicht gewährleistet werden.

Gerade jetzt wo die Corona-Fallzahlen stetig sinken und das Contact-Tracing wieder eingeführt werden soll, ist eine Öffnung der Restaurants irrsinnig. Diese Öffnung führt zu unnötigen, unkontrollierbaren Infektionen und zu finanziellem Schaden bei Betrieben und Lohnabhängigen. Wir fordern dass die Betriebe geschlossen bleiben und KAE weiter ausgezahlt wird bis ein zufriedenstellender Plan erstellt wurde. 

Ein Plan, in dem beispielsweise auch folgendes bedacht wird:

Unterscheidung von grossen und kleinen Betrieben

Es sind vor allem die Gastro-Riesen, die bei der Lockerung am 11. Mai vom Bundesrat gehört wurden. Sie liegt nicht im Interesse von kleinen Betrieben, und noch weniger im Interesse von uns Gastroarbeitenden. In einer Umfrage des Gastroverbands Zürich im April waren 89% der Betriebe gegen eine Lockerung für die Gastronomie unter den jetzigen Bedingungen. Zwei Meter Abstand zwischen den Gästen ergibt für viele Restaurants zu wenig Umsatz für einen rentablen Betrieb.

Wir sind nicht einverstanden damit, dass die Profitgier weniger Gastro-Riesen über das Schicksal von vielen Kleinbetrieben bestimmt, und vor allem, über die Gesundheit von noch mehr prekarisierten Menschen. Grossbetriebe haben durch jahrelange Ausbeutung ihrer Angestellten genug Kapital und Mittel angehäuft, um die Krise zu schultern. Darum: Make the Gastro-Riesen pay for Covid 19!

Speaking of the Gastro-Riesen:

Kurzarbeitsentschädigung – da läuft noch vieles falsch

Auch in Zeiten von Corona haben Arbeitgeber*innen die gesetzliche Pflicht, pünktlich den Lohn auszuzahlen! Dies, auch wenn sie die Kurzarbeitsentschädigung (KAE) von der Arbeitslosenkasse noch nicht bekommen haben. Finanziell gut aufgestellte Betriebe fordern wir dazu auf, 100% des Lohns auszuzahlen – denn mit dem Wegfallen des Trinkgelds verlieren wir Lohnabhängige gleich doppelt. Unsere Löhne werden seit Jahren so gedrückt, dass es mit diesem Verlust nicht mehr zum Überleben reicht. Wenn sogar kleine Betriebe es finanziell stemmen können, die KAE auf 100% aufzustocken (uns sind Beispiele bekannt), dann Grosse erst recht. 

Schluss damit, lediglich hoffen zu können, dass unsere Arbeitgeber*innen schon das Richtige machen!  Es braucht:

Mehr Transparenz und Mitbestimmung

Die Unsicherheiten der jetzigen Lage werden von manchen Gastrounternehmer*innen schamlos ausgenutzt und in einen eigenen Vorteil verwandelt. Uns sind viele Berichte von nicht ausgezahlter KAE und unrechtmässigen Kündigungen bekannt. Darum fordern wir: Mehr Transparenz in unseren Arbeitsverhältnissen! Wir wollen Mitsprache- und Mitwirkungsrechte in den Prozessen der KAE Beantragung, Bewilligung und Auszahlung und Einsicht in die Finanzen des Betriebes, insbesondere Lohnsysteme, Rückstellungen und Gewinne. 

Wir werden diese Krise nicht ausbaden!

Risiko und Krise – nicht auf unseren Rücken

Wieder einmal wird die Krise und das Risiko auf uns Angestellte abgeschoben. Wie bereits im Care-Sektor und mit der Öffnung der Coiffeur- und Kosmetik-Salons, sind somit vor allem Niedrigverdienende, FTIQ und Migrant*innen betroffen. Das lassen wir uns nicht gefallen!

Die am schlechtesten bezahlten Jobs, bei denen das Infektionsrisiko am höchsten ist, werden nicht mehr geschützt und finanziell gestützt. Auf uns wird keine Rücksicht genommen, aber grosse, teilweise bereits zuvor subventionierte Einrichtungen, die Reingewinne in Millionenhöhe gemacht haben, bekommen zusätzlich zu der KAE auch noch Hilfspakete (siehe Milliardenkredit für die Luftfahrt). Wir fordern, dass die Krise nicht auf dem Rücken des Niedriglohnsektors finanzierbar gemacht werde!

Daher fordern wir auch:

Mieterlass für die Gastronomiebetriebe und Unterstützung des Mietstreiks

Mieterlasse für Gastrobetriebe müssen jedoch zwingend den Arbeiter*innen zu Gute kommen. Zum Beispiel in Form von 100% Lohnfortzahlung, Absicherung für Menschen mit einem Vertrag ‘Auf Abruf’ oder eine Entschädigung für Temporär-Angestellte.

Mit einem eh schon mickrigen Lohn reicht es oft nur knapp für die Wohnungsmiete. Mit nur 80% des Lohns und ohne Trinkgeld wird sie für Viele unbezahlbar. Darum unterstützen wir als Kollektiv den Mietstreik.

Auch kleine und mittlere Gastrobetriebe kommen zum Teil in dieser Situation an ihre finanziellen Grenzen. Daher raten wir ihnen und allen, welche sich auf die Fahne schreiben, sie unterstützen zu wollen: Organisiert euch im Mietstreik! Make the rich pay for Covid 19!

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